Wie wir am Montag bereits angekündigt haben, wollen wir heute detaillierter zu Fragen des Mund-Nasen-Schutzes Stellung nehmen.

Wir haben weiterhin in Niedersachsen unterschiedliche Vorgaben zum Tragen von Mund-Nasen-Schutz in psychotherapeutischen Praxen. In der derzeit gültigen Corona-Verordnung des Landes Niedersachsen wird keine Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in psychotherapeutischen Praxen vorgegeben. In mehreren niedersächsischen Städten und Gemeinden ist ein solcher Schutz jedoch verpflichtend. Es besteht also weiterhin die Notwendigkeit, sich über die jeweils in Ihrem Bereich geltenden Verordnungen zu informieren. Die Städte und Gemeinden richten sich bei ihren Vorgaben nach der jeweiligen Gefährdungslage, was aus Sicht der PKN ein sinnvolles Vorgehen darstellt.

Wir sind uns darin einig, dass der Schutz vor weiteren Infektionen von unseren Patient*innen wie von uns selbst ein Ziel von sehr hoher Bedeutung ist. Ebenso besteht Einigkeit in der Einschätzung, dass die Abdeckung des Mund-Nase-Bereiches des Gesichtes aus fachlicher Sicht eine Beeinträchtigung psychotherapeutischer Behandlungen darstellt. Die Abdeckung von Mund und Nase kann für manche Patient*innen verunsichernd wirken, die erforderliche Einschätzung kritischer Entwicklungen bei Patient*innen einschränken und nonverbale Interventionsmöglichkeiten der/des Psychotherapeut*in erschweren oder unmöglich machen. In diesen Fällen kann es sein, dass die fachlich korrekte Durchführung von Psychotherapie nicht mehr möglich ist. Eine Mund-Nase-Bedeckung steht einer psychotherapeutischen Behandlung jedoch nicht grundsätzlich entgegen.

Wenn die Bedeckung von Mund und Nase tatsächlich das Risiko einer SARS-CoV-2-Infektion in psychotherapeutischen Behandlungssituationen in relevantem Maße verringern sollte, was zu beurteilen nicht in der fachlichen Kompetenz von Psychotherapeut*innen liegt, ist zwischen dem Risiko einer Infektion und Risiken, die sich aus einer Bedeckung des Mund-Nase-Bereiches für die psychotherapeutische Behandlung ergeben, abzuwägen. Die durch die behandelnde Psychotherapeutin / den behandelnden Psychotherapeuten durchzuführende fachliche Abwägung kann zum Ergebnis haben, aus medizinischen Gründen auf die Mund-Nasen-Bedeckung zu verzichten. Ggf. ist hierzu möglichst ein informiertes Einverständnis mit der Patientin/dem Patienten bzw. deren/dessen Personensorgeberechtigten herzustellen und der Einsatz anderer Möglichkeiten zur Verringerung des Infektionsrisikos zu prüfen. Das Hygienekonzept der Praxis wird hier zu berücksichtigen sein. Diese Abwägungsprozess sollte in der Behandlungsakte ebenso dokumentiert werden wie das Einverständnis der Patientin / des Patienten.

Auch in den Regionen, in denen ein Mund-Nasen-Schutz in psychotherapeutischen Praxen nicht vorgeschrieben ist, wird dringend empfohlen, die oben skizzierten Erwägungen vorzunehmen und dies zu dokumentieren.

Die Beurteilung, inwieweit andere Schutzmaßnahmen wie z.B. durchsichtige Stellwände oder Gesichts-Visiere „gleich wirksam“ sind wie die Abdeckung von Mund und Nase, gehört ebenfalls nicht zum Aufgabenbereich von Psychotherapeut*innen. Psychotherapeut*innen können nur den jeweils aktuellen Stand der offiziellen Empfehlungen und Vorschriften in Bezug auf Hygienemaßnahmen in der Praxis berücksichtigen. Wir verweisen hier insbesondere auf die Ausführungen des Robert-Koch-Institutes, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und der Bundespsychotherapeutenkammer.

Gegenwärtig streben wir an, Ihnen weitere fachliche Unterstützung bei der (Weiter-)Entwicklung Ihre Hygienestandards in Ihrer Praxis zur Verfügung zu stellen. Wir empfehlen diesbezüglich die weitere Beachtung unserer Kammertelegramme und der Informationen auf unserer Homepage. Auch können Sie uns wie gewohnt Ihre Fragen und Anregungen direkt zusenden.

Wir wünschen uns, dass wir als Profession weiterhin einen verantwortungsvollen Weg finden, in dem wir uns mit Kompetenz und Engagement für die Behandlung der psychisch erkrankten und in Not geratenen Menschen einsetzen, ohne sie oder uns selbst durch Covid 19 unnötig zu gefährden.

Mit kollegialem Gruß

Roman Rudyk
Jörg Hermann
Kordula Horstmann
Andreas Kretschmar 
Götz Schwope


Psychotherapeutenkammer Niedersachsen
Roman Rudyk
Leisewitzstraße 47
30175 Hannover
Deutschland

051185030430

Kammertelegramm: Maskenpflicht II